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Erfahrungsbericht – Gruppe für trauernde Kinder

Erfahrungsbericht

Alles ist jetzt anders – Gruppe für trauernde Kinder

„Für mich war es total toll, andere Kinder zu treffen, denen auch so was Schlimmes passiert ist“ antwortet der 11-jährige Jan, als er gefragt wird, was das Beste an der Gruppe trauernder Kinder war, an der er zusammen mit 8 anderen Kindern teilgenommen hat. „In der Schule werd ich oft gehänselt, weil mein Vater gestorben ist. Und auch mein bester Freund kann mir nicht viel helfen, der wohnt gar nicht bei seinem Vater und weiß nicht, wie es mir geht. Die Lehrer sind manchmal auch unsicher, wie sie mit der Situation umgehen sollen und manche wissen auch gar nicht, dass mein Papa  tot ist und fragen dann blöd. In der Gruppe haben alle verstanden, wie es mir geht, weil es für sie selber oft auch so ist. Manchmal bin ich traurig, aber manchmal auch sauer oder ich will endlich ganz normal behandelt werden und nicht immer was Besonderes sein“.

Auch Jans Mutter meldet zurück, dass die Gruppe für trauernde Kinder auch zu Hause viel in Bewegung gebracht hat. Jan schläft besser und träumt nicht mehr so schlimm und er fragt jetzt öfter Dinge über seinen Vater. Vorher hat er sich das nicht so getraut – wahrscheinlich weil er auch gespürt hat, wie traurig sie selber ist und sie schonen wollte, vermutet die Mutter. Ihr hat er auch nicht erzählt, dass er gehänselt wird. Erst in der Gruppe kam er mit der Sprache heraus,  als ein anderes Kind dasselbe erzählt hat. Die Kinder haben sich dann gemeinsam überlegt, was man in einer solchen Situation machen kann. „Ein Mädchen hatte einen guten Trick: sie hat immer „Stopp“ gerufen und den Arm gehoben, wenn ihr zu viel war, was geredet wurde. Weil die Kinder und die Lehrerin in der Klasse darüber gesprochen hatten, kannten alle ihr Zeichen und haben aufgehört, auch wenn sie selber nicht gemerkt hatten, dass jemand was Schlimmes gesagt hat. Das fand ich toll“.

Gute Rückmeldungen gab es auch in den Elterngesprächen nach Beendigung der Kindergruppe: „Meine Tochter ist viel ruhiger geworden und kann wieder schlafen“; „Mein Sohn stellt jetzt Fragen – vorher war er immer so verschlossen“; “„Meine Tochter hat sich ein großes Bild ihrer Mutter für ihr Zimmer gewünscht“; „Mein Sohn geht seit der Gruppe regelmäßig mit auf den Friedhof“.

Viele Erwachsene haben Scheu, mit Kindern über den Tod oder über die Toten zu reden. Sie denken, sie nehmen den Kindern die Normalität und möchten sie schonen. Das Gegenteil ist der Fall: Erst wenn die Kinder alles fragen und sagen  dürfen, was sie bewegt, ohne bei den Großen Ängste und Unsicherheit auszulösen, wird es  für sie normal.

Letztendlich hat es auch die Eltern erleichtert, mit ihren Kindern über die verstorbene Person sprechen zu können, die Fakten rund um Krankheit, Sterben und Beerdigung beim Namen zu nennen und ihre eigene Traurigkeit auch zeigen zu dürfen. Die Kinder spüren ja trotzdem, wenn Mama oder Papa traurig sind, auch wenn die versuchen, sich zu beherrschen.

In der Gruppe wird an 3 Samstagen allerhand gestaltet: Trost- Taschentücher, Erinnerungs-Steine, Kerzen uvm. Zudem machen die Kinder unter Anleitung der beiden Gruppenleiterinnen auch Phantasiereisen oder überlegen sich in der Runde, was sie von dem Verstorbenen „geerbt haben“, sei es die blauen Augen der Mutter, das Lächeln des Vaters oder das Fahrrad des Bruders.

Die beiden Fachkräfte der Kinder- und Jugendhospizarbeit Heike Farag, Heilpädagogin, und Alexandra Maigler, Diplompsychologin und systemische Therapeutin, haben selber gestaunt, wie offen und differenziert die Kinder waren und was für spürbare Entwicklungen in der relativ kurzen Zeit geschehen sind. „Unsere Hauptrolle ist es, Raum zu geben und selber ganz offen mit den Themen umzugehen. Auch wenn die Gespräche nicht immer um Trauer o.ä. gingen, so war doch durch unsere Anregungen und die symbolische Anwesenheit der Toten immer spürbar, was die Kinder miteinander verbindet. Das Gefühl, mit dem Verlust nicht alleine oder die einzige zu sein und die Erfahrung, normal zu sein in einer unnormalen Situation, war auch aus unserer Sicht das wichtigste für die Kinder“.

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